Ein Jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war.
Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände.
Luk. 23,46.
Der Tod Jesu war furchtbarer, als es das Herz des Gläubigen zu fassen vermag. Ihm war derselbe die Vollziehung eines Strafgerichtes. Die Sünden einer Welt drückten ihn nieder. Die Stimme Seines Gottes ertönte in dem schrecklichen Befehl: Schwert, mache dich auf über meinen Hirten! Und doch war Sein Tod ein friedlicher, ja vielmehr ein triumphierender. Ehe Er Seine Augen schloss, war das Licht durch die Dunkelheit hindurch gebrochen. In der ruhigen Fassung kindlichen Vertrauens verhauchte Er Seine Seele: Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände! Worin bestand das Geheimnis dieser Ruhe? Wir besitzen Seinen eigenen Aufschluss darüber: Ich habe Dich verklärt auf Erden, und vollendet das Wert, das Du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.
Leser, wird es in deiner Sterbestunde mit dir also sein? Wirst du dein Werk vollendet haben? Hast du schon bei Jesu Zuflucht gefunden? Ruhst du in Ihm, als deinem alleinigen Heilande, und folgst du Ihm, als deinem einzigen Vorbilde? Wenn dem also ist, dann mag dich der Tod überfallen, wann er will, du hast nichts Anderes zu tun, als zu sterben! Das Grab wird durch Seine Gegenwart und Seine Freundlichkeit erhellt werden. Er wird bei dir im Sterben stehen, dir schützende Engel zeigen und Sich Selbst dir als den Vorgänger und Weg zum Leben darbieten. Wir können keinen wahren Frieden haben, bis die Furcht des Todes durch die Gewissheit der Vergebung der Sünde, durch das Blut des Kreuzes überwunden ist. Nur dann, sagt jemand, kannst du mit Ruhe das offene Grab am Fuße des Berges an schauen, welchen du bald hinabsteigen musst. „Der Stachel des Todes ist die Sünde, Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsren Herrn Jesum Christum!“ Suche stets ein kindlicheres Nahesein zu deinem Bundesgott zu erreichen, dann wirst du, wenn die Stunde deines Abscheidens gekommen ist, die Worte deines sterbenden Herrn zu den deinigen machen können: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Vater! Es ist ein Heimgehen! Mit jauchzendem Herzen denkt. das Kind an das Vaterhaus, an den väterlichen Willkommen! Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und Alles, was mein ist, das ist dein!
Es wurde von einem alten bewährten Christen gesagt, dass er immer am glücklichsten war, wenn das Rütteln an den Türen seines Gefängnisses die Hoffnung in ihm rege machte, dass ein scharfer Windstoß sie bald aufdrücken und ihn befreien würde. Christ! kannst du das noch fürchten, was dein Heiland bereits überwunden hat? den Tod? Er gleicht dem Engel, der dem gefangenen Petrus erschien, die Kerkertüren öffnend und zum hellen Tage führend; er leitet dich zu der Welt, die dir durch Geburtsrecht angehört, und lässt dich deine Verbannung verlassen; wie der Soldat bei hereinbrechender Nacht sich friedlich in seinem Zelte niederlegt, den Empfang seines Lorbeertranks am Morgen erwartend.
O lebten wir doch immer in einem Zustande heiliger Vorbereitung auf den Tod, das Geistes-Auge auf den sich vor uns eröffnenden Himmel gerichtet! und fühlten es, dass jeder Augenblick uns jener seligen Heimat näher führt! dass wir bald die Schwelle des Himmels betreten, bald vor dem Throne stehen, bald uns in anbetendem Entzücken mit der triumphierenden Kirche vor Ihm beugen werden, uns eintauchend in die Fluten unendlicher Herrlichkeit, Ihm gleich, Ihn schauend, wie Er ist, und das auf Ewig!
Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat zu Ihm, der reiniget sich, gleichwie Er auch rein ist!